Die Kleinen

Von Computer-Mäusen zum Hosentaschenscanner

Angefangen haben Michael Ilic und sein Bruder Alexander damit, Computer-Mäuse auseinander zu schrauben. Ihr Ziel: die Weiterentwicklung des altbekannten Scannens. Nach der Gründung des eigenen Unternehmens Dacuda in Zürich entwickeln sie zusammen mit mitlerweile rund 40 Mitarbeiter*innen den kleinsten Scanner der Welt: den PocketScan.

„Der Workflow muss für das Scannen nicht mehr unterbrochen werde“, beschreibt Ilic den Vorteil des mobilen Scannens. Dabei ist das besondere an dem Gerät nicht etwa die Hardware, sondern die Software, die den Scann passgenau zusammenfügt.

Doch die Erfolgsgeschichte verlief nicht ohne Hindernisse. „Es gab tausende Hindernisse“, sagt Michael Ilic, wobei sein aktuelles Problem eher nach einem Luxusproblem klingt: Die Leistung des PocketScan sei so gut, dass das Marketing Schwierigkeiten habe, die Qualität glaubhaft zu vermitteln, weil die Kund*innen die Werbung für eine Werbetäuschung hielten.

 

Vorbild: Computermaus

Dieses Hindernis erahnten die beiden Brüder nicht als sie vor über sieben Jahren in den Media-Markt gingen. „Wir haben alle Mäuse gekauft, aufgeschraubt und geschaut was sie können“, erinnert sich Michael Ilic. Sannen konnten diese Mäuse, wie alle Computer-Mäuse, nur in schwarz-weiß. Die beiden Entwickler haben getüftelt und herausgekommen ist ihr erster mobiler Scanner. „Der war so groß wie ein großer Holzblock“, sagt Michael. Etwas später gab es dank Weiterentwicklung und finanzieller Unterstützung eines Investors den ersten Prototyp einer Computermaus, die scannen konnte. Mit dieser sind die beiden auf Salestour gegangen sind. „Wir waren unter den ersten“, erinnert sich Michael, der seine Produkt auch heute noch deutlich vor der Konkurrenz sieht: „Die Alternativen, sind vor allem Scann-Stäbe.“ Bei diesen müsse das zu scannende Papier durch einen Schlitz in einer Stabform geführt werden. „Die Hersteller dieser Geräte machen sich das einfach. Sie können normale Scann-Software benutzten“, so Ilic weiter.

 

Was ist das besondere an der mobilen Scann-Software?

Die Software für die Scanner-Maus hingegen ebenso wie für den weiterentwickelten PocketScan musste eigens dafür entwickelt werden. Die Software muss verrechnen können, wo die einzelnen eingescannten Elemente aufeinander treffen, weil die kleinen Handscanner in beliebiger Richtung über das zu scannende Dokument gezogen werden können. Die Scanner-Software erkennt damit auch, wenn sich der gescannte Ausschnitt erweitert. Entwickler sprechen hier vom sogenannten „image stitching“ oder „photo stitching“. „Es handelt sich dabei um einen sehr langen Algorithmus“, erklärt Michael Ilic. Dabei kommt der von der Züricher Firma Dacuda entwickelte Algorithmus auch in Kameras zum Einsatz, die diese Technik für die Panoramafunktion nutzen.

 

Atomunglück als Produktionshindernis

Die Scann-Maus ließ das junge Startup seinerzeit von LG produzieren. Da das Gerät teilweise in Japan produziert wurde, kam es nach der atomaren Katastrophe in Fukushima zu Behinderungen in der Produktion: „Wir hatten ein Einjahresdeal mit LG. Die Scann-Maus wurde zwar produziert aber das neue Produkt wurde erst mal nach hinten geschoben und runter gechanceld.“ Dennoch sei der Verkauf gut gelaufen. Auch heute noch wird die Maus von Hama hergestellt.

 

Crowdfunding für Hosentaschenscanner

Für die Finanzierung der neuen drahtlosen Variante suchte das Unternehmen keinen Investor, sondern entschied sich für eine Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter. „Hier verkaufst du dein Produkt zu einem günstigeren Preis an Early-Adapters. Voraussetzung für das Crowdfunding ist Prototyp. Wenn du die Kohle hast, kannst du deinen Hersteller zur Produktion beauftragen.“ Und die Kohle für den chinesischen Hersteller kam schneller als gedacht: „Nach nur 10 Stunden war das Ziel von 50.000 Dollar erreicht. Insgesamt brachte es die Aktion auf eine Unterstützersumme von 550.000 Dollar“, berichtet Michael.

 

Seit kurzem sind alle Kickstarter-Bestellungen abgearbeitet. Und wieder sind Michael und Alexander Ilic auf Verkaufs- und Präsentationstour auf den Messen dieser Welt: „Wir waren In Las Vegas auf der Consumer Electronic Show (CES) und beim Mobile World Congress in Barcelona“. Im eigenen Webshop verkaufen sie den 85 Gramm schweren Scanner für 119 $.

 

Während das aktuelle Unternehmensziel die Vermarktung und Produktion in größerem Umfang ist, basteln die Entwickler*innen von Dacuda bereits an neuen Ideen: Aktuell an einer Software, die mit einer einfachen Handykamera 3D-Bilder liefert. Auch hier ist das besondere nicht die Hardware, sondern die Software, die einzelne Fotos zusammensetzt.

 

Weitere Informationen: http://dacuda.com/

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archive

Kategorien

To Top