Die Lieben

Open-Source-Filter für Millionen Menschenleben – Entwickler im Interview

photos by Mauricio Cordova

***ENGLISH VERSION***

„So sexy wie Apple, so offen wie wikipedia“ war ein Slogan, dem sich Ende September rund 100 Entwickler*innen während des Innovations-Camps POC21 bei Paris verpflichtet fühlten. Ein weiterer Slogan lautete „Zukunft selbstgemacht statt Endlosdebatten“. Die 12 Projekt-Teams, die aus über 100 Bewerbungen ausgewählt und eingeladen wurden, tüftelten und präsentierten Produkt, die das Prädikat „sexy“, selbstgemacht und zukunftsgerichtet verdienen – und offenen waren die Projekte allesamt sowieso, weil sie sich der Open-Source-Philosophie verpflichtet fühlten.

Der Name des Camps spielt auf die Klimakonferenz am Ende des Jahres in Paris an – dessen offizieller Name ist COP21. Fünf Wochen lang arbeiteten die Entwickler*innen an ihren Ideen – und profitieren dabei von der Infrastruktur und der gegenseitigen Unterstützung. Startup-gefluester hat einige der Ideengeber*innen und Sozialunternehmer*innen befragt – zu ihrer Idee, ihrer Vision, der Rolle von Open Source und nach Tipps für andere Social Entrepreneurs. Die Interviews werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Den Anfang macht das Projekt von Mauricio Cordova.

Mauricio Cordova_faircap

Mauricio Cordova arbeitet seit 10 Jahren in Startups und sozialen Projekten. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in seinem Bachelor an der University of Texas at Austin und machte einen Master in „Operational Research“ an der London School of Economics. Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Dein Produkt heißt Faircap. Was ist Faircap?

Mauricio Cordova: Faircap ist ein offenes und gemeinschaftliches Projekt, das zum Ziel hat, einen kleinen anti-bakteriellen Wasserfilter zu designen und zu entwickeln. Dabei wird wird der Filter sehr günstig sein und dabei helfen die Leben der Menschen zu schützen, die einen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Was ist das besondere an dem Faircap design?

Der Filter ist klein und handlich und passt auf die meisten Wasserflaschenöffnungen. Er ist deshalb sehr intuitiv nutzbar: Du kannst dreckiges Wasser nehmen und an Ort und Stelle reinigen, ganz ohne Chemikalien oder Elektrizität.

Wie kamst du auf die Idee und wie hat sich die Idee für Faircap entwickelt?

Ich hatte die Idee für Faircap während eines persönlichen Erlebnisses als ich im Amazonas Regenwald als Freiwilliger für ein Schutzprojekt arbeitete und dort gereist bin. Wir mussten das dreckige Wasser des Flusses abkochen, obwohl wir in einem der unberührtesten Gegenden der Welt waren. Unglücklicherweise ist Wasser auch in sehr abgelegenen Gebieten durch Abwasser und Chemikalien kontaminiert. Als Folge leiten viele Menschen an Infektionen und Krankheiten.

Vor allem die innere Technologie der Faircap hat sich während des Projektes weiterentwickelt. Während wir anfangs Karbon nutzten, fanden wir schließlich immer effektivere Materialien wie Keramik und später Membranen.

Wie finanziert ihr Faircap?faircap3

Wir organisieren eine crowdfunding Kampagne.

Was waren die wichtigsten Entwicklungsphasen und in welcher Phase seid ihr gerade?

Die Entwicklung des Konzepts sowie die ersten Prototypen waren entscheidend. Im Moment halten wir Ausschau nach einem Hersteller.

Welchen Problemen seid ihr bisher begegnet und wie konntet ihr sie überwinden?

Ein Problem war die Erfahrung, dass ich kein Designer oder Ingenieur bin. Dank des „Maker movements“ oder auch der „Do-it-yourself-Kultur“ gibt es heutzutage aber weniger Barrieren zum eigenen Lernen – und damit zur Entwicklung eines Prototypes.

Welche Vision hast du für Faircap?

Die Vision ist, Millionen von Menschen, die kein Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zu helfen und damit Leben zu retten. Auch die Menge von abgefüllten Wasserflaschen in Entwicklungsländern soll reduziert werden. Letztlich soll Faircap einen Anstoß für mehr Forschung an Technologien für freies, verfügbares und sauberes Wasser leisten.

Warum sind „open source“ wichtig für die Entwicklung von Faircap?

Ohne Zusammenarbeit und Wissensaustausch wäre dieses Projekt so nicht möglich. Ohne „open source“ würde das Projekt nicht nur länger dauern – es würde auch viel mehr Kapital und Investition benötigen. Letztlich können sich auch andere Wassertechnologien weiterentwickeln, wenn sie open source sind.

Welchen Rat würdest du anderen Sozialunternehmer*innen geben, die eine Idee in die Tat umsetzen wollen?

Ich würde alle raten, zusammenzuarbeiten und offen zu sein. Wenn die Idee gut ist, kann sie andere Leute dazu motivieren, sich anzuschließen und zu helfen. Es bringt gar nichts, eine Idee für sich zu behalten und für sich zu behalten – ganz besonders dann, wenn sie eine soziale Komponente hat. Ich denke es gibt ein Potential, vorwärts zu gehen, von nur privaten Unternehmen, Startups, Eigentumsrechten und Patenten hin zu einem offeneren System. Davon würden wir alle profitieren: wegen der der geringeren Kosten sowie dem besseren Angebot und dem besseren Zugang zu Lösungen. Es würde das Leben von Millionen von Menschen verbessern. „Open Source“ sollte sich nicht nur auf Software und Hardware beziehen. Jetzt spielt „open source“ auch eine Rolle in der Biologie und es sollte in weiteren Bereiche angewandt werden, die für das Wohl der Menschen wichtig sind, wie etwa in der Medzin. Warum öffnen wir nicht Chemie und die Entwicklung einfacher, kostengünster Medzin? Auch diese Bereiche könnten der Philosophie des „Maker Movements“ folgen. 

Welche Fragen hättest du noch gerne beantwortet?

Wie Menschen helfen können und wie sich Projekte finanziell selbst tragen können. Für beide Fragen denke ich, dass Crowdfuding eine der möglichen Antworten ist. Wenn Crowfunding in seiner Anwendung einen ähnlichen Zuwachs an hätte, wie in den englischsprachigen Ländern, dann könnten wir, denke ich, viele kreative Lösungen und Entwicklungen sehen. Außerdem solle es mehr Stiftungen und Regierungsunterstützung für Open-Source-Lösungen geben. Am Ende wird davon die gesamte Gesellschaft profitieren. Viele Projekte können von vielen schlauen Menschen nicht entwickelt werden, weil die finanziellen Mittel dafür fehlen.

faircap

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Faircap wurde bereits im Juni 2015 auf den „Open Source Circular Economy Days in Barcelona“ präsentiert.

 

 

***ENGLISH VERSION***

What is Faircap?

Mauricio Cordova: The Faircap is an open, collaborative project to design and develop a small antibacterial water filter, that is very low cost and that can help save lives specially for people without access to clean water.

What is special about the Faircap design?

It is portable and fits into most plastic water bottles, so that it can be very intuitive to use, you can grab and carry dirty water and clean it as you need it without chemicals or electricity.

How did your idea evolve? When and how did the idea start?

The idea came from a personal experience while traveling and working in the Amazon rainforest for a volunteer conservation project, we needed to boil dirty water from the a stream even though we were in one of the most pristine places on earth, unfortunately in most rural places now water is also contaminated because of human contamination (sewage and chemicals), so many people suffer from infections and other diseases. The project evolved in terms of the inner technology used, from just using activated carbon to finding other more effective materials, like ceramics and then membranes.

How are you financing our project?

We are organizing a crowdfunding campaign.

What where the main phases of development and in which phase is it at the moment?

The concept and first prototypes were important and now we are looking for a manufacturer

Which problems did you encounter and overcome so far?

One is the experience, I am not a designer or engineer, but thanks to the maker movement there are now less barriers to learn and to come up with prototypes.

What is your vision regarding your idea?

To help millions of people who don’t have access to clean water, to save lives and reduce the amount of bottled water in developed countries, research more open water technologies.

Why is open source important for your project?

Without collaboration and knowledge sharing this project would not be possible, it would take longer, require lots of capital. Ultimately, water technologies can evolve if they are open source.

Which advices would you give social entrepreneurs who want to put into practise in idea like yours?

To collaborate and be open, if the idea is good it can motivate other people to join, help and support, it´s of no use to keep an idea and not share it, specially if it has a social component. I think there is a potential to move from just private companies, start ups, intellectual property and patents to a more open ecosystem, we will all benefit from it, lowering costs, providing more access to solutions, improving life for millions of people, open source should not only be related to software or hardware, there is now also biology and there should also be other relevant areas for human welfare like medicine, why not open chemistry and simple, low cost medicine development that follows the same ethic of the maker movement.

Which question(s) did I not pose (but you like to answer)?

How can people help and how projects can be financially sustainable. For both questions I think that crowdfunding is one of the answers. If there would be the grow in crowdfunding in every country as it has growth in English speaking countries I think we could see a lot of creativity. Also there should be more foundations and government funding for open source solutions to real life problems, at the end the beneficiary is society as a whole. Many projects and very smart people are not being developed because they lack the financial means.

The Fair Cap: $1 Water Filter Project from mauricio cordova on Vimeo.

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