Ein obdachloser Mensch zeigt eine Postkarte der Initiative Kunst aber gut.
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„Kunst aber gut“ lindert die Not obdachloser Menschen

„Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität. Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.“ – Schon Joseph Beuys wusste um das Veränderungspotential der Kunst. Dass Kunst nicht nur dazu beitragen kann, unser Leben bunter zu machen, sondern auch das Leben von Menschen verbessern kann – davon ist auch Daniel Kister überzeugt. Der Berliner Hobbyfotograf gründetet die Initiative „Kunst aber gut“. Zusammen mit anderen engagierten Künstler*innen und sozialen Einrichtungen will er die Not von obdachlosen Menschen mildern und ihre soziale Teilhabe vergrößern. Kunst-aber-gut vervielfältigt zu diesem Zweck die Kunst bevor Künstler*innen selbst – oder aber auch soziale Hilfseinrichtungen – die Aufgabe haben, diese vervielfältigten Kunstwerke – meist Postkarten – an obdachlosen Menschen weiterzugeben. Letztere profitieren am Verkauf nicht nur finanziell.

„Jeder Mensch ist ein Künstler“ – Soziale Einrichtungen und Hobby-Künstler*innen können sich beteiligen

„Ob Picasso, Schüler*in oder Hobbyfotograf*in – mitmachen kann jede und jeder, der einem obdachlosen Menschen mit seiner Kunst helfen möchte. Entscheidend ist nicht die Qualität oder die Bekanntheit, sondern die Bereitschaft zum sozialen Engagement“, erklärt Kister. Wer mitmachen will, muss neben einiger Informationen ein eigenes Kunstwerk als Foto an die Initiative „Kunst aber gut“ senden. Diese erledigt das Layout und organisiert den Druck. Etwa zwei Wochen später werden die Postkarten direkt an die Künstlerin bzw. den Künstler geschickt. Deren Aufgabe ist es nun die Postkarten weiterzugeben und mit dem obdachlosen Menschen in Kontakt zu bleiben. Ein zentrales Element der sozialen Initiative ist nämlich die Patenschaft zwischen Künstler*innen und obdachlosem Menschen. Um diese Rolle als Kunstpate möglichst gut übernehmen zu können, bietet „Kunst aber gut“ Tipps und Hilfen auf der Webseite (www.kunst-aber-gut.de).

Finanzielle und soziale Teilhabe – anti-diskriminatorische und politische Wirkung

„Wichtiges Ziel von `Kunst aber gut´ ist die Nachhaltigkeit“, betont Kister. Deswegen ist der finanzielle Nutzen für die obdachlosen Menschen auch nur ein Ziel von mehreren, das die Initiative hat. „Wir wollen, dass es den obdachlosen Menschen deutlich besser geht. Neben dem finanziellen Gewinn, soll den obdachlosen Menschen aber auch soziale Teilhabe ermöglicht werden. Die Kunst bringt sie dabei nicht nur mit den Künstler*innen sondern auch mit den Passant*innen in Kontakt“, erklärt Kister. Auf diesem Weg hofft er, dazu beizutragen, das eigenen Selbstbild und das Gefühl der Selbstwirksamkeit der obdachlosen Menschen zu verbessern und gleichzeitig Vorurteile und Stigmata in der Gesellschaft abzubauen. Erklärtes Ziel der Initiative ist nämlich auch der Diskriminierung obdachloser Menschen entgegenzuwirken und das Problem wachsender Obdachlosigkeit in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik zu bringen.

Armut & Obdachlosigkeit – ein immer drängenderes gesellschaftliches Problem

Immer mehr Mensch in Deutschland sind wohnungslos. Aktuell haben rund 335.000 Menschen kein Wohnung. Zu dieser Zahl zählen neben Obdachlosen auch Menschen, die zwar nicht auf der Straße leben, aber in Notunterkünften oder Wohnheimen leben – also auch Asylbewerber in Auffangstellen. Sozialverbände beobachten einen stetigen Anstieg dieser Zahlen und die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) prognostiziert bis 2018 einen Anstieg auf 536.000. Dringlich ist das Problem daher auch angesichts des steigenden Risikos in Armut und Wohnungslosigkeit abzurutschen. Während Wohnungslose per Definition zumindest noch eine Unterkunft haben, sind Obdachlose von Notunterkünften abhängig und ansonsten bei Wind und Wetter der Schutzlosigkeit ausgesetzt. Offizielle Zahlen zur Obdachlosigkeit gibt es nicht, obwohl Sozialverbände immer wieder deren Erhebung fordern. 2012 ging die BAG W davon aus, dass etwa 24.000 (von damals nur 284.000 wohnungslosen Menschen), das heißt 8,4 Prozent aller wohnungslosen Menschen, tatsächlich auf der Straße leben. Die individuellen Problem der Menschen, die obdachlos sind, sind vielfältig und der Weg aus der Obdachlosigkeit ist oft schwierig. Oft fehlt ihnen nicht nur Geld. Obdachlose Menschen werden stigmatisiert, ausgegrenzt und sind besonders häufig von Gewalt und Krankheit betroffen. Vielen obdachlosen Menschen mangelt es an Selbstwertgefühl und der Überzeugung der eigenen Selbstwirksamkeit.

Weitere Informationen, wie sich Hobbykünstler*innen und soziale Hilfseinrichtungen beteiligen können, finden sich auf der Webseite der Initiative unter www.kunst-aber-gut.de

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